Samstag, 27. August 2016

[Rezension] Die Attentäter

Autorin: Antonia Michaelis
Gebundene Ausgabe
Verlag: Oetinger
Seitenzahl: 448 Seiten
Teil einer Reihe? Ein Einzelband.
Genre: Jugendbuch
Empfohlenes Alter: 16-17 Jahre
Themen: Terrorismus, IS, Entscheidung, Freundschaft, Vertrauen
Preis: 19,99€ (D)
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Obwohl sie aus grundverschiedenen Verhältnissen stammen, sind Cliff und Alain fasziniert voneinander. Zwischen ihnen steht Margarete, die beide von klein auf kennen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und verschwindet. Als er zurückkehrt, wird klar: Er soll für den IS einen „Tag des Blutes“ planen. Alain will seinen Freund retten – doch wie lange kann er noch zu ihm halten? Mit "Die Attentäter" liefert Antonia Michaelis einen beklemmenden Blick in die Abgründe des Terrorismus.(Quelle: Amazon.de/ August 2016)


Ich bin den Covern des Oetinger Verlages schon lange verfallen. Besonders die Gestaltung von Antonia Michaelis' Büchern ist immer so symbolträchtig und dazu noch schick, dass ich es liebe, die Bücher nebeneinander im Regal stehen zu sehen. Oft lüftet auch der Blick unter den Schutzumschlag so manches Geheimnis. Auch hier bin ich wieder sehr angetan von der Optik des Buches und war unheimlich gespannt auf den Inhalt.


Bei Büchern von Antonia Michaelis werden die Rezensionen meistens zu kompletten Lobeshymnen, weil ich den Schreibstil der Autorin und die Themen der Bücher so unheimlich toll finde. Nicht umsonst gehört Antonia Michaelis zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen- solch einen poetischen, bildhaften und wortgewaltigen Schreibstil habe ich bisher kein zweites Mal in einem Buch vorgefunden. Zudem kommt man kaum zu Atem und kann nach einem Kapitel vor Spannung meistens gar nicht aufhören zu lesen. Auch hier war ich wieder gefesselt von der Atmosphäre, die die Autorin erzeugt hat- einfach beeindruckend!


Leider muss man zugeben, dass dieses Thema sehr aktuell ist und auch, wenn das Buch nicht von Antonia Michaelis wäre, hätte ich mir auf jeden Fall mal eine Leseprobe durchgelesen. Ich war unheimlich gespannt, wie die Autorin, die in ihre Büchern nichts beschönigt, dieses brisante Thema verarbeiten. Nicht nur, dass ich finde, das Thema ist gerade im Jugendbereich noch vollkommen unverbraucht, auch die Art und Weise der Umsetzung ist Frau Michaelis wieder hervorragend gelungen.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll...man wird wiedermal ohne langwierige Vorstellungen der Charaktere in die Geschichte hineingeworfen und gleich kommt eine besondere, kühle und unsichere Atmosphäre aus. Häufig liest man in Zusammenhang mit den Büchern dieser Autorin, dass die besprochenen Themen zu heftig für Jugendbücher sind. Solche Reaktionen kann ich nicht nachvollziehen, denn ich finde, man sollte nicht, weil die Bücher für junge Erwachsene geschrieben werden, ein Blatt vor den Mund nehmen müssen. Sicher wird hier die harte Realität mit allen Facetten und Schattenseiten dargestellt, doch wollen wir immer nur verblühmte Heile-Welt-Geschichten lesen? Ich nicht und deshalb liebe ich die Bücher der Autorin.

Die Thematik des IS und Terrors wird uns durch Cliff vermittelt, der hautnah dran ist. Ich fand es unheimlich spannend, wie diese Thematik hier verarbeitet ist und wie viel ich aus der Geschichte lernen und mitnehmen konnte. Viele Wendungen erhalten die Spannung von vorn bis hinten und ich war zum Teil auch sehr geschockt, berührt und nachdenklich gestimmt.
Neben knallharten Fakten spielt die Autorin, wie aus anderen Büchern gewohnt, mit Symbolen, Metaphern und Bildern. Dadurch, dass die Geschichte vor dem Hintergrund des Islams spielt, wird der Religion symbolisch eine relativ große Bedeutung beigemessen, worauf man sich, auch ohne dazu Bezug zu haben, einlassen sollte.

Meistens ist der Abschluss eines Jugendbuches der Autorin sehr spektakulär, schockierend und in jedem Fall unerwartet. Ich bin natürlich ganz still, was das Ende dieses Buches betrifft, aber ich kann sagen, dass mich das Buch unheimlich gut unterhalten hat- von Anfang bis zum Ende!


Endlich, endlich kam das neue, lang ersehnte Jugendbuch von Antonia Michaelis heraus. Ich bin hellauf begeistert von der Aktualität, der rauen Atmosphäre und ungeschönten Realität des Buches. Die Handlung lebt durch die Charaktere und wir als Leser sind einfach mittendrin und bekommen eine neue Sicht auf so manche Dinge. Wiedermal kann ich das Buch jedem empfehlen, der nicht allzu sensibel ist und eine ganz besondere Sprache und Geschichte erleben möchte...




[Rezension] Apple und Rain

Autorin: Sarah Crossan
Verlag: cbt
Broschierte Ausgabe
Seitenzahl: 320 Seiten
Teil einer Reihe? Ein Einzelband.
Genre: Jugendbuch 
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Themen: Familie, Geschwister, Wiedersehen, Zugehörigkeit, Freundschaft, Liebe

Preis: 12,99€ (D)

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Drei Jahre alt war Apple, als ihre Mum sie in einer stürmischen Nacht bei der Großmutter zurückließ. Seitdem hat Apple nichts von ihr gehört. Elf Jahre später taucht Mum plötzlich wieder auf. Mum ist das Gegenteil von Apples strenger, konservativer Nana. Im Glückstaumel zieht Apple bei Nana aus, direkt zu Mum. Womit sie aber nicht gerechnet hat: Sie ist nicht Mums einziges Kind. Dass ihre kleine Halbschwester Rain ebenso wenig von Apple wusste, macht die Sache nicht besser. Und dass Mum Apple als Babysitterin braucht, auch nicht. Apple dämmert, dass sie eine schwierige Wahl getroffen hat. Zum Glück kann sie sich dem Nachbarsjungen Del anvertrauen, der ziemlich gut zuhören kann... (Quelle: Amazon.de/ August 2016)


Schlicht, aber wirkungsvoll. Auch wenn das Cover nichts außergewöhnliches ist, hat es mich doch irgendwie neugierig gemacht. Obwohl es auf den ersten Blick sehr süß und niedlich ausschaut, gibt es auch sehr viel Ernsthaftigkeit und Tiefe in diesem Jugendbuch.


Ich habe nun schon mehrere Bücher von Sarah Crossan gelesen und mochte den seichten, aber tiefgründigen Schreibstil mit Botschaft immer sehr gerne. Den Stil der Autorin muss man einfach mögen. Ich kann mit wenigen, aber kraftvollen Worten sehr viel anfangen und mir gefällt der bildhafte Stil der Autorin unheimlich gut. Vielleicht fehlt dem ein oder anderen die Action, ich für meinen Teil halte Sarah Crossan in Sachen Stil und Themenwahl für eine Besonderheit unter den Jugendbuchautoren- unverwechselbar!


Es gibt viele Jugendbücher, die das Erwachsenwerden oder Familiengeschichten in den Fokus nehmen. Aber mich hat besonders interessiert, wie Sarah Crossan an dieses Thema herantritt. Die Idee ist nichts neues, doch ich blieb an der Geschichte durch einen spannenden Plot und eine besondere Atmosphäre am Ball. Die Geschichte ist zum einen sehr süß, ein bisschen naiv und man kann unheimlich viel mitfühlen. Einige Passagen haben mich aber auch traurig und nachdenklich gestimmt, so wie bisher jedes Buch der Autorin. Insgesamt entsteht dadurch eine gelungene Mischung aus liebenswerter, zuckriger Liebes- und Familiengeschichte, die bei 12 Jahren auf jeden Fall gut angesetzt ist. Wenn man ein wenig zwischen den Zeilen lesen mag, bekommt man von dem Buch noch ein paar Aspekte mehr geboten, aber ich finde das Buch auch so sehr lesenswert, wenn auch thematisch keine Neuheit.

Die Charaktere haben mir in Sarah Crossans Büchern immer ganz gut gefallen, auch wenn mir manchmal etwas Tiefe oder mehr Facetten fehlten. In diesem Buch fand ich gerade die wichtigen Figuren sehr gut gezeichnet und ich habe Apple, Rain und Del sehr ins Herz geschlossen. Die Charaktere strotzen nicht gerade vor Individualität und Charakterstärke, sind aber sehr nette Begleiter in diesem Buch und man kann zum Teil sehr doll mit Apple mitfühlen. Alles in allem sind hier Figuren im Spiel, die man gut und gerne über einige hundert Seiten auf ihrem Weg begleitet.


Hier ist der von mir hochgelobten Autorin Sarah Crossan ein tolles Buch ab 12 Jahren gelungen, dass vor allem Mädchen und einigen Jungen in diesem Alter sehr viel geben kann. Auch ich als Erwachsene wurde davon gut unterhalten und habe die süße Apple sehr gerne auf ihrer Reise begleitet. Wem die Kurzbeschreibung zusagt, der wird seinen Spaß mit diesem Buch haben- egal, ob 12 oder 60 Jahre alt.




Donnerstag, 25. August 2016

[Rezension] George

Autor: Alex Gino
Verlag: Fischer
Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 208 Seiten
Teil einer Reihe? Ein Einzelband.
Genre: Kinderbuch/Roman
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Thema: TransgenderPreis: 14,99€ (D)/ Kindle 12,99€ (D)                                    
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Sei, wer du bist!
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen.
›George‹ erzählt einfühlsam und unprätentiös vom Anderssein und ermutigt, den eigenen Weg zu gehen. Der erste Kinderroman zum Thema Transgender, der auch ältere Leser fesseln wird und der die Botschaft vermittelt: Sei, wer du bist!
(Quelle: Amazon.de/ Juli 2016)


Schlicht und doch so wirkungsvoll. Hier bin ich sehr froh, dass das Originalcover übernommen wurde. Der weise Hintergrund mit den bunten Buchstaben wirkt für mich sehr symbolträchtig. Unser George ist eigentlich bunt und voller Leben, doch durch die Schwarz- weiß Gesellschaft, in der er lebt, kann er sich nicht entfalten und läuft auf Sparflamme. So habe ich diese Coveridee interpretiert. Abseits von meinen wüsten Deutungen finde ich die Aufmachung aber ohnehin sehr gelungen und wirkungsvoll. Lediglich der Preis für ein 200 Seiten-Buch ist hierbei meiner Meinung nach zu hoch angesetzt. 


Ich war mehr als gespannt, wie dieses Thema hier umgesetzt würde. Ich hoffte trotz des ernsten Themas auf ein bisschen Lebensfreude, Humor und einen super Schreibstil, der Mut machen könnte. Leider wurde ich im Bereich Stil etwas enttäuscht. Gerade zu Anfang fand ich den Schreibstil sehr fad und einfach rundum deprimierend. Ich kam zwar recht gut in die Geschichte hinein, aber in Sachen Spannung bzw. den Leser bei Laune zu halten ließ der Schreibstil etwas zu wünschen übrig. Trotz des tollen Themas, was ich sehr wichtig finde, hätte man hier sicher mehr rausholen können. Gute Ansätze sind definitiv vorhanden. So fand ich es eine klasse Idee, George als "sie" agieren zu lassen, dass das nun mal sein Gefühl ist, mit dem er durchs Leben schreitet.
Bis die Geschichte mehr Fahrt aufnahm, legte ich das Buch mehrmals aus Desinteresse bei Seite, was ich bei einem 200 Seiten Buch ziemlich schade finde. Aber vielleicht war es auch einfach nicht mein Stil und andere können mehr mit dem Schwermut jeder Zeile anfangen.


Heimlich liest George Mädchenzeitschriften auf der Toilette und keiner darf es erfahren. George fühlt sich im falschen Körper geboren und trotz dessen, dass er rein gar nichts dafür kann und am liebsten endlich die Last des Geheimnisses teilen möchte, weiß niemand von seinen Gedanken. Doch endlich fasst George Mut und vertraut sich seiner besten Freundin Kelly an...


Allein wegen der Idee musste ich dieses Buch lesen (und natürlich, weil John Green es empfohlen hat :-)). Das Thema von Transgendern im Kindesalter habe ich bisher noch nie in einem Buch gefunden, schon gar nicht in einem Kinderbuch, das ab 10 Jahren empfohlen wird. Ich finde es wichtig, dass solche, häufig noch als Tabu- Themen behandelten, Geschichten zur Sprache und zu Papier kommen, damit es mehr zur Normalität wird.
Von der Umsetzung bin ich nicht 100%tig begeistert, obwohl es sehr tolle Passagen, weise Worte und schöne, wie traurige Momente gibt. Trotz des trockenen Stils habe ich George schon flott ins Herz geschlossen und sehr mit ihm mitgefühlt. Er möchte durch eine weibliche Theaterrolle endlich allen zeigen, was und wer wirklich in ihm steckt. Unheimlich rührend finde ich außerdem die Beziehung zu seiner besten Freundin Kelly und auch andere Charaktere, wie Kellys Vater, sind sehr liebenswert. Bei diesem Thema ist natürlich vorprogrammiert, dass man einige Figuren gar nicht ma (bei mir war das absolut der Fall bei Georges Lehrerin).
Die Handlung ist sehr plätschernd, was auch in Ordnung ist, denn wir wollen schließlich Einblicke in Georges Alltag bekommen und der ist nun mal selten spektakulär. Aber spätestens, wenn er Kelly schildert, was ihn bedrückt, nimmt die Geschichte Spannung auf. Was ich eher etwas fraglich finde ist, ob 10 Jährigen Kindern dieses Buch helfen würde. Schon allein der Schreibstil ist nicht besonders kindgerecht und wird sicher schnell langweilig. Sicherlich können einige Kinder sich mit den gleichen Gefühlen und Gedanken, wie George sie hat, identifizieren und in dieser Hinsicht könnte es auch Mut machen und Outing fördern, doch ich bin bei der Altersangabe nach wie vor eher skeptisch.

Insgesamt finde ich dieses Buch trotz aller Kritik lesenswert für Menschen, die sich an das Thema heranwagen wollen, denen vielleicht das Verständnis fehlt oder die mehr darüber erfahren wollen durch eine sehr persönlichen Einsicht in die Innenwelt eines betroffenen Kindes. Denn die Schilderungen von Gefühlen und Gedanken sind das, was der Autor sehr gut gemacht hat und was dieses Buch lesenswert macht.


Schreibstil hin oder her- dieses Buch eröffnet neue Blickwinkel und lässt uns teilhaben an der Geschichte eines ganz tollen Kindes, das einfach nur verstanden werden will. Ich konnte mit George sehr gut mitfühlen und gerade zum Ende hin wurde ich gut unterhalten. Wer das Thema interessant findet oder vielleicht auch gerade die, die noch gar nichts darüber wissen oder denen die Thematik befremdlich ist, können ja mal einen Blick riskieren. Ich vergebe gute 3 Drachen.